Da klingelt der Wecker extra um viertel vor sieben fuer die geplante Tour, aber schon kurz darauf begruesst uns unsere Gastgeberin mit der schlechten Nachricht: “The crossing is closed today”. Auf dem Berg hat’s Windgeschwindigkeiten ueber 55km/h und das ist die Grenze fuer die Shuttlebusse, die fuer ihre Touristen direkt verantwortlich sind. Wir mupfeln unser Fruehstueck leicht frustriert und erwecken wohl das Mitleid von unserer Host, denn sie bemueht sich sichtlich, uns von der Sinnhaftigkeit der Sperrung zu ueberzeugen und ueberlegt laut, was wir denn noch mit dem Tag anfangen koennen. Es gibt eine sog. “Tongariro Traverse”, die sie uns ans Herz legt. Die Distanz ist die gleiche (17km, dazu spaeter mehr), aber es geht nicht ueber einen der Gipfel, sondern zwischen den beiden Bergen hindurch. Gedacht ist der Weg als einfachere Alternative, heute spricht dafuer, dass im “Tal” das Wetter nicht so schlecht und der Wind schwaecher sein wird. Sie ist sich sicher, dass wir auf dem Weg sowieso deutlich mehr Spass haben werden als auf dem windigen, wolkenverhangegen & regnerischen Gipfel des Vulkans.
Tatsaechlich hoeren sich die Beschreibungen gut an und wir willigen ein. Mal wieder als einzige Fahrgaeste bringt uns ein Shuttleservice an das oestliche Ende des Nationalparks, weist uns grob in den Wegverlauf ein und wuenscht uns viel Spass. Wir stehen recht einsam in einer Landschaft aus staubig-feinem Sand mit kniehohen Grasbuescheln, die Sonne scheint und es wehr kraeftig. Mit ordentlich Sonnencreme auf der Haut machen wir uns auf den Weg. Zu unserer Linken schuettelt Mt. Ruapehu gerade die letzten Wolkenfetzen ab und erstrahlt bald im schoensten Sonnenschein, zu unserer Rechten aber bleibt Mt. Tongariro (1.967m) unter den Wolken versteckt. Ueber diesen fuehrt das “crossing” und wir fuehlen uns bestaetigt.
Unser weg steigt ganz langsam an und gegen Mittag erreichen wir eine kleine Huette, die Mehrtagestourern Unterkunft bietet und uns fuer eine kleine Mittagspause gerade Recht kommt. Wir sind is jetzt rd. zwei Stunden unterwegs und unser GPS zeigt 8km Wegstrecke an. Damit waeren wir ungefaehr bei der Haelfte der 17km Strecke und gut in der Zeit. Nach ein paar Sandwiches geht es mit einem Abstecher zu einem Quellgebiet und einer historischen Huette weiter zu zwei Bergseen auf dem Satel zwischen den beiden Vulkanen. Die Landschaft wir zusehends karger und der Wind nimmt deutlich zu. Wir koennen uns vorstellen, wie sehr es jetzt oben auf dem Berg blaest… Auf dem GPS naehern sich die Seen langsam aber sicher, doch irendwie will unsere Zeitrechnung nicht so recht mit dem Weg uebereinstimmen. Es ist schon deutlich nachmittag und als wir an dem unteren der beiden Seen ankommen, zeigt die Uhr 16:00 und das GPS 17,8km. Eigentlich sollte der letzte Bus zurueck zum B&B gegen 16:30 an der Abholstation vorbeikommen und man den Weg bis dahin “locker schaffen koennen”. Etwas verwundert sparen wir uns den 1,5h Ausflug zum oberen der beiden Seen und machen uns zuegig auf den Weg Richtung Endpunkt. Ein Schild am Wegesrand laesst uns kurz darauf wissen, dass es bis dorthin noch 2,5h Weg seien. Interessant… Leider ist das Wetter auf dieser Seite des Sattels nicht mehr gaz so gut und die langsam aus dem Tal heraufsteigenden Wolken bescheren uns auch schon bald einen feinen, warmen Nieselregen. Regenjacke raus und weiter geht’s – Sommerregen ist eigentlich auch sehr nett.
Gegen Ende des Weges kommen wir dann noch an einem sehr huebschen Wasserfall vorbei, bis wir gegen halb sieben am Endpunkt ankommen. Hier zeigt das GPS 24,6km und unsere Sorge, wir haetten zu sehr getroedelt, wir durch die Statistik zersreut: 5,5 Stunden in Bewegung fuer 24,6k mach einen Schnitt von 4,5 km/h. Das ist nicht so langsam. Und ueber den ganzen Tag verteilt 1,5 Stunden Pause (jede Minute “warte mal..” mitgerechnet) ist wohl auch nicht uebertrieben.
Aus unerfindlichen Gruenden kommt dann tatsaechlich ein Bus der Suttle-Firma in dem Nest vorbei und nimmt uns so spaet noch mit. Unterwegs sammeln wir dann noch – grosse Verwunderung – 2 Paeaerchen auf, die das Crossing doch gelaufen sind. Wie sich herausstellt hatten sie mehrere Tage im Voraus gebucht und auf die Tour bestanden. War aber gar nicht toll sagen sie – was fuer ein Glueck 😉
Zu Hause angekommen schaue ich mir den Track der Wanderung dann doch einmal genauer an, aber ich kann keinen Fehler finden. Interessanter Weise ist die Luftlinie von Start- zu Endpunkt jedoch exakt 17,0km lang. Ob hier wohl ein Kommunikationsfehler vorliegt!? Auf alle Faelle hatten wir viel Spass, trauern dem Crossing nicht mehr allzu sehr hinterher und fallen abends gluecklich ins Bett.
Aus gegebenem Anlass hier nur die Wanderung, ohne die Shuttle-Strecken:
Und ein paar Bilder:












Ist doch klar, sind 17km Luftlinie, aber da ihr nicht fliegen könnt, ist es natürlich am Boden weiter 😉
kommt mir irgendwie bekannt vor aus Norwegen. Da bekommt man auch immer Wanderungen vorgeschlagen, die in den Beschreibungen “einfach” und “kurz” sind 😉