Kurzstrecke

In traumhafter Kulisse wachen wir auf. Stefan geht erst einmal baden und wir packen das Lager zusammen. Das ferne Ziel ist noch immer der Ohrid See und so machen wir uns auf, der Landstraße erst gen Süden und dann Richtung Nord-Osten zu folgen. Zustand: schlechter, häufig geflickter Asphalt. Das ist mir nach ein paar Kilometern zu doof und wir suchen uns auf der anderen Flussseite eine Schotterpiste, die sich weder in die Berge windet noch die tiefen Schlaglöcher der Hauptstrasse zu bieten hat.

Ab der griechischen Grenze ist die SH65 eine einzige Baustelle. Hier wird aus einer bergigen Geröllstrecke in einigen Monaten vermutlich eine sehr ordentliche Straße nach Leskovik. Aktuell ist jedoch Vorsicht geboten, denn immer wieder öffnen sich vor der Motorhaube Schächte für die künftige Entwässerung, verengt sich die Fahrbahn über kleine Betonstücke und sind die deutlichen Reste der alten Auswaschungen zu sehen.

Leskovik ist bei unserer Ankunft ein Ort im Mittagsschlaf. Auf der Hauptstrasse ist nichts los und wir finden schnell das empfohlene Restaurant/Hotel mit der überaus attraktiven Kombination leckeres Essen & Internetzugang. Die kommenden 2 Stunden verbringen wir unter den Sonnenschirmen bei Grillfleisch, Fleischsuppe und Pommes und aktualisieren unsere Reiseblogs. Beeindruckend: der Sohn des Besitzes spricht mit seinen vielleicht 8 Jahren recht fließendes Emglisch; seine Schwester lernt bei einem Privatlehrer und er hatte keine Lust mehr, zu warten. Ergo bekommt er täglich Lektionen von seiner Schwester und testet sein Wissen begierig an allen Fremden, die durch den Ort kommen.

Eigentlich ist am Nachmittag noch einmal eine Fahretappe geplant. Wir verplempern aber in Leskovik ob der netten Gastgeber so viel Zeit, dass wir wenige Kilometer weiter an einer “Camping Farm” schwach werden. Schluß für heute und die Gegend genießen. Wir befinden uns mittlerweile wieder in einem Waldgebiet, dass ein wenig an deutsche Mittelgebirge erinnert. Dichter Tannenwald, sanfte Hügel und im Gegensatz zu Deutschland keinerlei sichtbare Siedlungen und Straßen. Alleine diese kleine Ecke des Landes, so überlegen wir, wäre sicher 1 Woche Wanderurlaub wert – ohne markierte Wege und in völliger Einsamkeit.

Während wir mit Henrik auf dem Arm das Geschirr des Abendessens spülen spricht uns ein Albaner an. Wie alt denn Henrik sei und was wir für einen Urlaub machen würden. Seine Schwägerin sei immer der Meinung, 1 Jahr sei noch kein Alter für solche Reisen. Zum Beweis ziert nun klein Henrik plus Papa eine albanische facebook Seite mit reichlich Text zu unserer Tour und dass das mit Kind problemlos möglich ist. Am nächten Morgen finden sich unter dem Beitrag (der uns präsentiert wird) gut 20 Kommentare zum Bild, u.a. von der eigentlich angesprochenen Schwägerin – sie wisse, weshalb er genau dieses Bild poste… 🙂

Die Farma Sotira rd. 15km nördlich von Leskovik ist definitiv einen kurzen Stopp wert. Neben bestens ausgestatteten und trotzdem natürlichen Stellplätzen gibt es in Kürze einen Pool und zum Abendessen Forellen aus eigener Zucht. Wer nicht campen möchte findet ebenfalls einige Fremdenzimmer.

Der Morgen bringt nun aber wirklich einen Fahrtag; irgendwann müssen wir mal am See ankommen, sonst kommt langsam die gesamte Routenplanung durcheinander…
Tagestrack

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