Genug vom Norden. Wir hatten schon Myvatn nicht in der ursprünglichen Planung und nach der Pflicht-Nacht in Laugafell sollte es in den Süden gehen. Dort warten auf uns, so unsere Idee, noch sehr viele 2008 ausgelassene Sehenswürdigkeiten und vielleicht sogar die ein oder andere Wanderung.
Das Problem: die F26 ist unglaublich langweilig und in beiden Autos hält sich die Begeisterung in Grenzen. Auf der Karte entdecken wir einen nicht-nummerierten Track, der kurz vor der Einmündung der F752 auf die F26 Richtung Süden geht. Keine Nummer heißt ungepflegt, also fragen wir die Hüttenwärter in Laugafell. Die Auskünfte der beiden sind unterschiedlich: während er sagt, dass der Track sichtbar, aber nicht allzu oft befahren sei, warnt sie vor einer Furt auf dem ersten Teilstück, die wir uns ganz genau ansehen oder eben umfahren sollten. Alternativweg wäre bis Nyidalur auf der F26 und dann erst nach Westen auf den anderen Track.
Da wir noch immer 2 Autos sind und Bergematerial plus Winde dabei haben, lassen wir es auf einen Versuch ankommen. Vor Ort an der Abzweigung ist der Track dann recht gut sichtbar und lässt sich einfach fahren. Große, hohe Steinmännchen säumen den Weg und wir erinnern uns an die Erklärung der Hüttenwärtin. Diese Strecke ist die alte Sprengisandur, bevor die heutige in Betrieb genommen wurde. Wir überlegen, wie lange solche Steintürme wohl in dieser Landschaft stehen können und wer den ersten Stein wohl gelegt hat.
Das erste Teilstück misst 24km und erst im letzten Viertel kommt die erwähnte Furt. Tatsächlich ist sie für uns die breiteste in diesem Urlaub, denn hier laufen 2 Gebirgsbäche zusammen. In der Mitte sind Sandbänke und die Reifenspuren lassen keinen exakten Einstiegspunkt erkennen. Offensichtlich haben sich frühere Fahrer für sehr unterschiedliche Wege durch’s Wasser entschieden. Unsere Begleiter wagen nach intensiven Beratungen den ersten Versuch und wir stehen bergebereit mit dem Heck zum Wasser, Bergegurt griffbereit. Das erste Teilstück geht gut und die beiden kommen wohlbehalten auf der Sanbank in der Mitte an. Wir folgen auf möglichst der gleichen Spur und nach einigen weiteren Blicken ans Ufer geht es durch den zweiten Teil der Furt. Der kleinere Seitenarm ist auch kein Problem und bald genießen wir die Ausblicke über die Landschaft. Die Wolken weichen langsam und die Fernsicht ist heute im Gegensatz zu den letzten Tagen phantastisch. Rechts spannt sich der Hofsjökull über den Horizont und links von uns ragen die Berge des Vatnajökull auf.
Unter’m Strich ist die Strecke die ersten rd. 35km eine Wucht. Anschließend ist die Straße sichtbar begradigt, denn die Isländer haben die Ödnis hier für Wasserspeicher der größeren Art verwandt. Der Track führt über Dämme und wir kommen recht schnell voran. Nach weiteren 30km ist der Spuk vorbei und der Weg windet sich wieder natürlicher durch die Landschaft. Was jetzt kommt, ist großes Panorama-Kino. Die Hügel des Budarhals geben einen tollen Blick auf die Hekla und die Berge von Landmannalaugar frei. Bei noch schönerem Wetter könnte die Sicht bis ans Meer reichen. Sicher ein Highlight der diesjährigen Island-Reise!
Die nächste Station ist Hrauneyjar, denn hier ist eine Tankstelle für den begleitenden Mercedes G mit seinen >20l Verbrauch; zudem gibt es lt. Auskunft unserer Mitreisenden leckere Burger, die wir selbstverständlch probieren müssen. Das frühe Abendessen nutzen wir für eine Lagebesprechung. Wo sollen wir diese Nacht stehen, was uns morgen anschauen? Die Wahl fällt auf das Seengebiet von Veidivötn, das häufig als Ausflugsziel hintenüber fällt, da es eine gut 20km tiefe Sackgasse ist, die nur die eine Ausfahrt in Richtung F26 hat. Das Wetter ist leider sehr gemischt und als wir auf dem Campingplatz (nur kaltes Wasser, Toiletten aber keine Duschen) ankommen, haben wir Nieselregen bei starkem Wind aus Osten. Mal sehen, was der nächste Tag bringt. Die heutige Nord-Süd-Querung war jedenfalls eine prima Idee und jedem mit ein wenig Zeit statt der Sprengisandur ans Herz gelegt.




Eigentlich hätte euch der südliche Teil der alten Sprengisandur bereits bekannt sein sollen, den sind wir nämlich 2008 gefahren.
Ein Teil kam uns in der Tat bekannt vor; müssen zu Hause mal schauen, von wo bis wo wir damals die Strecke genutzt hatten.