Um weiter in den Norden zu kommen, gibt es zwei Alternativen. Die neuere und vielbefahrene SH3 am See entlang oder die ältere durch die Berge statt am See entlang. “Ältere” steht dabei nicht nur für eine Straße, die ein paar Jahre mehr augf dem Buckel hat, sondern für die alte Via Egnatia aus der Römerzeit. Der Straßenbelag aus ebendieser Zeit (ordentlich gesetztes Steinpflaster mit seitlichen Abschlusskanten) ist noch das beste, was uns auf dieser Strecke unter die Räder kommt. Ansonsten reiht sich hier Schlagloch an Schlagloch und es geht einmal mehr mit 20 km/h Durchschnitt vorwärts.
Im Übrigen steht dieser Tag ein wenig im Sinne der Historie. Auf der Höhe von Selca e Poshtme liegen erstaunlich gut erhaltene Fürstengräber auf einer Hügelkuppe. Die Gräber aus dem 4. Jh. v.Chr. sind die letzten gut sichtbaren Zeugen einer Siedlung der Illyrer, die hier bereits einen Handelsstützpunkt betrieben.
Was fällt uns noch auf an diesem Tag? Dass wir endgültig mit der Vorstellung aufräumen müssen, ein Land so südlich auf dem Balkan sei im Juli heiss, staubig und verbrannt. Die Albaner haben in den Bergen Wasser im Überfluss; praktisch alle paar Kilometer liegen allein an der Strasse Quellen. Die Täler sind tiefgrün, es wechseln sich Buchenwäler mit Kastanienhainen und dichten Haselnussgebüschen ab. Sobald das Tal weiter wird, stehen die unterschiedlichsten Nutzpflanzen auf den Feldern. Wir sehen viel Mais, Kartoffeln und Bohnen. Letztere an liebevoll eingesteckten Ruten zum Klettern.
In Librazhd halten wir für den obligatorischen Kaffe, bunkern Lebensmittel und buchen ein neues Datenvolumen für unsere albanische SIM-Karte. Die Nacht über stehen wir in den Hügeln nördlich von Llange. Mal wieder neben der Ruine einen Hauses, aber dafür in absoluter Ruhe.
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